Amateurfunk – ein facettenreiches Hobby. Sicher nicht für Jedermann. Es gibt spannenderen Zeitvertreib. Viele verstehen nicht, wie Menschen nächtelang gebannt vor ihren Funkgeräten sitzen. Und mit Gleichgesinnten, die sie in der Regel nicht einmal persönlich kennen, kommunizieren. Dennoch entwickeln sich auch richtige Freundschaften. Ländergrenzen spielen keine Rolle dabei. Erklärtes Ziel ist die Völkerverständigung. Darüber hinaus kennen und beherzigen Funkamateure einen eigenen Ehrenkodex. Er wird als “Ham Sprit“ bezeichnet.

Nachfolgender Dokumentarfilm aus dem Jahre 1955 zeigt ein paar Facetten aus der Pionierzeit des Amateurfunks auf.

Amateurfunk – mehr als ein Zeitvertreib

Funkamateure nehmen aus persönlichem Interesse am internationalen Funkverkehr teil. Für viele eine Leidenschaft. Besonders dann, wenn sie vom “Hf-Bazillus“ infiziert sind. Oder dann, wenn sie mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst an Board der internationalen Raumstation (ISS) funken können.

Im Gegensatz zu kommerziellen Funkdiensten genießen Funkamateure das Privileg, ihre Geräte und Antennen selbst bauen zu dürfen. Denn nicht jeder will als “Steckdosen-Amateur“ gelten. Gleichermaßen lassen sich auch gekaufte Geräte verbessern / modifizieren.

Amateurfunk ist ein familienfreundliches Hobby

Selbst wenn es zunächst nur einen Funkamateur in der Familie gibt, greift der Hochfrequenz-Bazillus meist um sich. Er infiziert dann auch andere Familien-Mitglieder. Mitgliedersuchende Amateurfunk-Verbände fördern dies durch entsprechende Familien-Diplome und Jugendarbeit.

Amateurfunk in der Familie

nachahmenswertes Beispiel: XYL steckt Ihren Mann und Sohn an (Foto: QSL-Karte von DF4UM)

Amateurfunk – zugewiesene Frequenzen (Bänder)

Alle vier Jahre tagt die internationale Wellenkonferenz. Sie weist den Funkdiensten ihre Frequenzen zu. Der bandbreitenhungrige Mobilfunk ist sicher öfters auf der Agenda als der Amateurfunk. Auf der letzten Konferenz im Jahre 2015 wurden ein paar Frequenzen im 60m-Band (5351,5 – 5366,5 kHz) für die Kurzwellen-Amateure freigegeben.

Amateurfunk - UKW-Funkgerät

Durch die Miniaturisierung sind kleinere leistungsfähigere Funkgeräte entstanden, wie hier ein Beispiel aus dem Amateurfunkzentrum des DARC e.V. in Baunatal. (Foto: Wilfried J. Klein)

Für lokalen Funkverkehr eignen sich besonders die freigegebenen Ultrakurzwellen (UKW). Relaisstationen (Umsetzer) auf hohen Standorten erhöhen die Reichweite kleiner Funkgeräte deutlich. Auch der mobile Funkbetrieb profitiert davon.

Doch UKW kann noch mehr. Davon zeugen Amateurfunk-Satelliten sowie Amateurfunk-Fernsehen. Spezialisten unter den UKW-Amateuren nutzen sogar den Mond als Reflektor bei den sogenannten Erde-Mond-Erde Verbindungen. K5SO, Joe in Espanola Newmexico, nutzt einen Spiegel mit einem Durchmesser von 8,6 m für EME.

Amateurfunk - EME

Der amerkanische Funkamateur K5SO nutzt einen 8,6m-Spiegel für EME (Quelle: K5SO)

Im Deutschland-Funkverkehr kommt überwiegend das 80m-Band (3,5 bis 3,8 MHz) zum Einsatz. Das 40m-Band (7,0 bis 7,2 MHz) gilt als favorisierte Wellenlänge für den Europa-Verkehr. Weltumspannender Funkbetrieb ist auf Kurzwelle möglich. Für Weitverbindungen (DX) eignet sich vor allem das 20m-Band (14,0 bis 14,350 MHz).

Kommunikation im Amateurfunk – auch in Krisensituationen

Früher war die Telegrafie (Morsen) die einzige Betriebsart. Heute ist der Sprechfunk (Telefonie) mit Einseitenband-Modulation (SSB) Standard. Neben SSB kann auch FM (Frequenzmodulation) auf den Ultrakurzwellen genutzt werden. Amplitudenmodulation (AM) hat faktisch keine Bedeutung mehr.

Fernfernschreiben, Bildübertragung (SSTV) und digitale Betriebsarten (Digimodes) runden die Kommunikation ab.

Amateurfunk - Notfunk

Notfallkoffer für Krisensituationen konzipiert und gebaut (Foto: Wilfried J. Klein)

Mit transportablen Funkgeräten und Antennen lassen sich schnell Notfunknetze errichten, wenn öffentliche Fermeldenetze ausfallen. So leisten Funkamateure Hilfe in Krisensituationen.

Verdrängen Handy und Internet den Amateurfunk?

Nein, das Internet erweitert Hobby um neue Möglichkeiten. Beispielsweise bietet die Software remotehams den Remotebetrieb über eine eigene oder andere Amateurfunkstation. Ein Smartphone lässt sich in den Remotebetrieb einbinden. Davon profitieren auch Funkamateure, die keine eigenen Antennen aufbauen dürfen. Alternativen zum Remotebetrieb bieten Echolink und die D-STAR-Technologie.

In der Zwischenzeit sind erste Geräte auf den Markt gekommen, die Smartphone und 2m- oder 70cm-Transceiver (Sendeempfänger) kombinieren. Diese sind zunächst für den amerikanischen Markt verfügbar.

Kurzwellenhörern (SWLs) bietet das Internet die Möglichkeit, in den Amateurfunk “hinein zu schnuppern“. Ohne einen eigenen Kurzwellen-Empfänger zu besitzen.

Software definiert Amateurfunk-Technik neu

Früher war die Amateurfunk-Technik ausschließlich Hardware-basiert. Es kamen Röhren, Transistoren und integrierte Schaltkreise zum Einsatz. Unter “Software Defined Radio“ werden heutzutage Konzepte für Amateurfunk-Technik verstanden, die zumindest teilweise durch Computerprogramme realisiert werden. Von wegen schnell ein paar Progrämmchen schreiben? Solche Aussagen machen Laien, die sich nicht mit der Materie auskennen. Hunderte oder sogar tausende von Stunden sind für ausgefeilte Software-Lösungen notwendig.

Zu diesen ausgefeilten Lösungen gehört openHPSDR, welches bereits in vielen Shacks (Funkbuden) angekommen ist. Die notwendige Hardware kommt von RED Pitaya, einem Meßcomputer der bereits für rund 200 Euro zu haben ist.

Geht es zusätzlich noch um Miniaturisierung, ist noch mehr Know How gefragt. Im nachfolgenden Video zeigt Michael Colten ( KE7HIA) die Grundzüge einer hochintegrierten Lösung für Mobil- und Portable-Transceiver. Besondere Merkmale sind die Ein-Knopf-Bedienung und eine Morsetaste für Enthusiasten. Das Projekt wird durch Crowdfunding (Gemeinschafts-Finanzierung) vorangetrieben.

Auch Funkamateure vernetzen sich heute

Neben der hochfrequenten Kommunikation entwickelt sich heute zusätzlich die TCP/IP-gestützte Kommunikation im Amateurfunk weiter. Unter der Bezeichnung HamNET (Highspeed Amateurradio Multimedia NETwork) werden diese modernen Technologien so integriert, das ein Nutzen für Funkamateure generiert wird. HamNET ist kein Internet-Ersatz, allenfalls eine sinnvolle Ergänzung.

Gesetzliche Regelungen für den Amateurfunk

Die Zugangs-Voraussetzungen sind in den Mitgliedsstaaten der Internationalen Fernmelde Union (ITU) gesetzlich geregelt. In der Regel ist eine Prüfung für die Funkamateure erforderlich. Früher waren die Oberpostdirektionen der Bundespost in Deutschland zuständig. Heute zeichnet die Bundesnetzagentur für den Amateurfunkdienst verantwortlich. Sie nimmt die Prüfungen ab und erteilt die Rufzeichen nach erfolgreichem Bestehen der Prüfung.

Weiterführende Links (Verweise)

Wikipedia Amateurfunkdienst