Was ist Amateurfunk und wer Funkamateur?

Amateurfunk – ein facettenreiches Hobby. Sicher nicht für Jedermann. Für den Funkamateur gibt es keinen spannenderen Zeitvertreib. Viele verstehen nicht, wie Menschen nächtelang gebannt vor ihren Funkgeräten sitzen. Funkamateure kommunizieren mit Gleichgesinnten, die sie in der Regel nicht einmal persönlich kennen.

Amateurfunk
Schon einmal gefunkt? Mit einem Ausbildungs-Rufzeichen? Erfahrener Funkamateur erklärt einen jungen Mädchen, wie es funktioniert. (Foto: wjk)

Dennoch entwickeln sich auch richtige Freundschaften. Ländergrenzen spielen keine Rolle dabei. Erklärtes Ziel ist die Völkerverständigung. Darüber hinaus kennen und beherzigen Funkamateure einen eigenen Ehrenkodex. Er wird als “Ham Sprit“ bezeichnet.

Amateurfunk – mehr als ein Zeitvertreib

Funkamateure nehmen aus persönlichem Interesse am internationalen Funkverkehr teil. Für viele eine Leidenschaft. Besonders dann, wenn sie vom “Hf-Bazillus“ infiziert sind. Oder dann, wenn sie mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst an Board der internationalen Raumstation (ISS) funken können.

Im Gegensatz zu kommerziellen Funkdiensten genießen Funkamateure das Privileg, ihre Geräte und Antennen selbst bauen zu dürfen. Denn nicht jeder will als “Steckdosen-Amateur“ gelten. Gleichermaßen lassen sich auch gekaufte Geräte verbessern / modifizieren.

CQ – allgemeiner Anruf

Anders ausgedrückt: Wer hört mich. Funkamateure suchen einen Gesprächs-Partner. Der sich mit ihnen unterhalten möchte. Über Technik in den meisten Fällen. Und wenn sich die Gesprächs-Partner kennen, natürlich auch über Privates.

Der Begriff CQ stammt aus Zeiten, in denen nur die Telegrafie (Morsen) genutzt wurde.

Hannes Grobe (talk) – own work, Schulhistorische Sammlung Bremerhaven (Quelle: Wikipedia)

Solange es Morsetasten gibt, lässt sich diese digitale Betriebsart auch nicht vertreiben. Wenngleich zunehmend Computer dafür genutzt werden. Und andere digitale Betriebsarten hinzu gekommen sind. Beispielsweise PSK31 oder Funk-Fernschreiben (RTTY).

Amateurfunk hält jung und geistig fit

Claus, DL3MC aus Salzgitter funkt seit 1949 und ist fast jeden Tag mit der sogenannten Monte Carlo Runde auf 3624 kHz zu hören. Morgens von 9.00 bis 10.30 Uhr und in den Abendstunden von 17.00 bis 18.00 Uhr. Natürlich erst nach seinem aktiven Berufsleben.

Amateurfunk
Claus, DL3MC an seiner Station (Foto: privat)

Amateurfunk ist ein familienfreundliches Hobby

Selbst wenn es zunächst nur einen Funkamateur in der Familie gibt, greift der Hochfrequenz-Bazillus meist um sich. Er infiziert dann auch andere Familien-Mitglieder. Mitgliedersuchende Amateurfunk-Verbände fördern dies durch entsprechende Familien-Diplome und Jugendarbeit.

Amateurfunk in der Familie
nachahmenswertes Beispiel: XYL steckt Ihren Mann und Sohn an (Foto: QSL-Karte von DF4UM)

Amateurfunk und Lachse angeln

Neben dem Amateurfunk hat Karl-Heinz (DC9ZG) aus Karben in der Wetterau eine weitere Leidenschaft. Jedes Jahr steigen Lachse vom Meer in den Fluss auf, indem sie geboren wurden, um dort zu laichen.Dies ist die Zeit für Karl-Heinz zum Angeln von Lachsen mit der Fliege. Dass ausgerechnet beim Lachsangeln in Mitten eines großen Flusses in Schweden in ihm Gedanken reifen, die fortan auch unser Arbeitsleben beeinflussen, das beschreibt DC9ZG in seinem Beitrag „Flow – der Schlüssel zu mehr Leistungskraft“.

Amateurfunk
DC9ZG mit “seinem“ Lachs (Foto: privat)

Amateurfunk in der Schule

Der Arbeitskreis Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule (AATIS e.V.) kümmert sich aktiv um die Multiplikatoren in schulischen Bereichen. Nämlich Lehrer und Ausbilder. So nimmt auch die Lehrerfortbildung einen großen Raum ein.

Amateurfunk – zugewiesene Frequenzen (Bänder)

Alle vier Jahre tagt die internationale Wellenkonferenz. Sie weist den Funkdiensten ihre Frequenzen zu. Der bandbreitenhungrige Mobilfunk ist sicher öfters auf der Agenda als der Amateurfunk.

Auf der letzten Konferenz im Jahre 2015 wurden ein paar Frequenzen im 60m-Band (5351,5 – 5366,5 kHz) für die Kurzwellen-Amateure freigegeben.

Amateurfunk - UKW-Funkgerät
Durch die Miniaturisierung sind kleinere leistungsfähigere Funkgeräte entstanden, wie hier ein Beispiel aus dem Amateurfunkzentrum des DARC e.V. in Baunatal. (Foto: Wilfried J. Klein)

Für lokalen Funkverkehr eignen sich besonders die freigegebenen Ultrakurzwellen (UKW). Relaisstationen (Umsetzer) auf hohen Standorten erhöhen die Reichweite kleiner Funkgeräte deutlich. Auch der mobile Funkbetrieb profitiert davon. Doch UKW kann noch mehr. Davon zeugen Amateurfunk-Satelliten sowie Amateurfunk-Fernsehen. Spezialisten unter den UKW-Amateuren nutzen sogar den Mond als Reflektor bei den sogenannten Erde-Mond-Erde Verbindungen. K5SO, Joe in Espanola Newmexico, nutzt einen Spiegel mit einem Durchmesser von 8,6 m für EME.

Amateurfunk - EME
Der amerkanische Funkamateur K5SO nutzt einen 8,6m-Spiegel für EME (Quelle: K5SO)

Im Deutschland-Funkverkehr kommt überwiegend das 80m-Band (3,5 bis 3,8 MHz) zum Einsatz. Das 40m-Band (7,0 bis 7,2 MHz) gilt als favorisierte Wellenlänge für den Europa-Verkehr. Weltumspannender Funkbetrieb ist auf Kurzwelle möglich. Für Weitverbindungen (DX) eignet sich vor allem das 20m-Band (14,0 bis 14,350 MHz).

Kommunikation im Amateurfunk – auch in Krisensituationen

Früher war die Telegrafie (Morsen) die einzige Betriebsart. Heute ist der Sprechfunk (Telefonie) mit Einseitenband-Modulation (SSB) Standard. Neben SSB kann auch FM (Frequenzmodulation) auf den Ultrakurzwellen genutzt werden. Amplitudenmodulation (AM) hat faktisch keine Bedeutung mehr.
Fernfernschreiben, Bildübertragung (SSTV) und digitale Betriebsarten (Digimodes) runden die Kommunikation ab.

Amateurfunk - Notfunk
Notfallkoffer für Krisensituationen konzipiert und gebaut (Foto: Wilfried J. Klein)

Mit transportablen Funkgeräten und Antennen lassen sich schnell Notfunknetze errichten, wenn öffentliche Fermeldenetze ausfallen. So leisten Funkamateure Hilfe in Krisensituationen.

Amateurfunk im Deutschen Museum München

Niemanden verwundert es, das sich im Deutschen Museum in München eine Amateurfunkstation befindet. Angesichts von soviel Technik. Die Station hat das Rufzeichen DL0DM und ist sehr häufig Anziehungspunkt für Besucher.

Verdrängen Handy und Internet den Amateurfunk?

Nein, ganz im Gegenteil. Das Internet erweitert Hobby um neue Möglichkeiten. Beispielsweise bietet die Software remotehams den Remotebetrieb über eine eigene oder andere Amateurfunkstation. Ein Smartphone lässt sich in den Remotebetrieb einbinden. Davon profitieren auch Funkamateure, die keine eigenen Antennen aufbauen dürfen. Alternativen zum Remotebetrieb bieten Echolink und die D-STAR-Technologie.

In der Zwischenzeit sind erste Geräte auf den Markt gekommen, die Smartphone und 2m- oder 70cm-Transceiver (Sendeempfänger) kombinieren. Diese sind zunächst für den amerikanischen Markt verfügbar.

Kurzwellenhörern (SWLs) bietet das Internet die Möglichkeit, in den Amateurfunk “hinein zu schnuppern“. Ohne einen eigenen Kurzwellen-Empfänger zu besitzen.

Software definiert Amateurfunk-Technik neu

Früher war die Amateurfunk-Technik ausschließlich Hardware-basiert. Es kamen Röhren, Transistoren und integrierte Schaltkreise zum Einsatz.
Unter “Software Defined Radio“ werden heutzutage Konzepte für Amateurfunk-Technik verstanden, die zumindest teilweise durch Computerprogramme realisiert werden. Von wegen schnell ein paar Progrämmchen schreiben? Solche Aussagen machen Laien, die sich nicht mit der Materie auskennen.
Hunderte oder sogar tausende von Stunden sind für ausgefeilte Software-Lösungen notwendig.

Zu diesen ausgefeilten Lösungen gehört openHPSDR, welches bereits in vielen Shacks (Funkbuden) angekommen ist. Die notwendige Hardware kommt von RED Pitaya, einem Meßcomputer der bereits für rund 200 Euro zu haben ist.

Geht es zusätzlich noch um Miniaturisierung, ist noch mehr Know How gefragt. Im nachfolgenden Video zeigt Michael Colten ( KE7HIA) die Grundzüge einer hochintegrierten Lösung für Mobil- und Portable-Transceiver. Besondere Merkmale sind die Ein-Knopf-Bedienung und eine Morsetaste für Enthusiasten. Das Projekt wird durch Crowdfunding (Gemeinschafts-Finanzierung) vorangetrieben.

Auch Funkamateure vernetzen sich heute

Neben der hochfrequenten Kommunikation entwickelt sich heute zusätzlich die TCP/IP-gestützte Kommunikation im Amateurfunk weiter. Unter der Bezeichnung HamNET (Highspeed Amateurradio Multimedia NETwork) werden diese modernen Technologien so integriert, das ein Nutzen für Funkamateure generiert wird. HamNET ist kein Internet-Ersatz, allenfalls eine sinnvolle Ergänzung.

Gesetzliche Regelungen für den Amateurfunk

Die Zugangs-Voraussetzungen sind in den Mitgliedsstaaten der Internationalen Fernmelde Union (ITU) gesetzlich geregelt. In der Regel ist eine Prüfung für die Funkamateure erforderlich. Früher waren die Oberpostdirektionen der Bundespost in Deutschland zuständig. Heute zeichnet die Bundesnetzagentur für den Amateurfunkdienst verantwortlich. Sie nimmt die Prüfungen ab und erteilt die Rufzeichen nach erfolgreichem Bestehen der Prüfung.

Weiterführende Links (Verweise)

Wikipedia Amateurfunkdienst